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Glückliche Hühner


Was war zuerst da? Das Ei oder das Huhn? Ohne auf die philosophischen Hintergründe einzugehen: Natürlich war zuerst das Ei da! Evolutionsforscher haben diese Frage längst geklärt, denn Hühner gehören zu den Vögeln – und die gibt es auf der Erde erst seit rund 150 Millionen Jahren. Riesenlibellen haben bereits vor 300 Millionen Jahren Eier gelegt. Die Hobbygeflügelzüchter im Landkreis interessiert
dieses Thema aber weniger, denn sie haben vor allem eines: Freude am Huhn, an ihrem geliebten Federvieh.

Einer von ihnen ist Dieter Rüppel, Vorsitzender vom seit über 60 Jahre bestehenden Geflügel- und Naturfreunde Frammersbach Verein mit 100 Mitgliedern. „Das ist Leidenschaft pur, man kommt einfach nicht los davon“, bekennt der 64-jährige, der für seine Hühner nach eigenem Bekunden „fast schon um die halbe Welt gereist ist“. Begonnen hat seine Liebe zu den „Mistkratzern“ schon in seiner Jugend, mittlerweile züchtet er seit über 40 Jahren. „In der Geflügelzucht hat sich ein Riesenwandel vollzogen. Meine Eltern wollten Hühner, die Eier legen. Ihnen ging es auch um das Fleisch. Wir Jungen haben damals für die Schönheit züchten wollen“, erinnert er sich an seine Anfangszeit.

Pokale, Schärpen und Bänder sprechen für sich: Der Frammersbacher nimmt sein Hobby ernst, ist erfolgreicher Züchter und Frammersbach ist stolz auf Rüppels Hühner, die mehrmals Deutsche – und zwei Mal Europameister wurden. Der Vorsitzende hat an die 100 Hühner im Stall, von denen ein paar wenige tatsächlich auch Eier legen zum Verzehr. Das ist mehr ein Zugeständnis an die Familie, denn der Hühnerfreund hält sich seine Rassehühner vor allem wegen ihrer Schönheit – etwa die altenglischen Zwerg-Kämpfer. Diese Tiere sind recht zutraulich und können sogar dressiert werden.

Im Hühnerreich mit mehreren hundert Rassen und der klassischen Einteilung in Groß-, Zwerg- und Ziergeflügel spielen Nuancen eine Rolle. So bescheinigt Rüppel seinen modernen englischen Zwergkämpfern einen „außerordentlich hohen Stand, einen elegant gestreckten Hals und einen zarten Körper“. Dieser Zwergkämpfer nimmt sich eher wie ein Stelzvogel aus, als ein gemeines Haushuhn. Prägend für diese Rasse ist ihr knappes Gefieder, wodurch die markante Schulterung betont wird und die glänzende Feder. Obwohl der Name es nahelegt – die Hähne werden nicht zum Kampf gezüchtet, denn das ist schon seit etwa 120 Jahren verboten.

Kikeriki im Wettkampf

Die Geflügelzucht hat in der Marktgemeinde eine lange Tradition. Der Verein betreibt im Wellerstal eine eigene Rassegeflügelanlage. Das beliebte Hähnewettkrähen dort am 1. Mai ist eine Kult-Veranstaltung. Die stolzen Gockel haben exakt 30 Minuten Zeit, möglichst kräftig und häufig ihr Kikeriki ertönen zu lassen. Der Wettbewerb wird in der Kategorie für Groß- und Zwerghähne ausgetragen. Die Juroren zählen genau mit. Spezialisten lassen ihre Hähne bis zum Start in der dunklen Kiste sitzen. Kommen sie dann heraus, denken sie, der Tag beginnt und sie beginnen zu krähen. Angeblich legen sich die Hähne tüchtig ins Zeug, wenn sie einige Tage vor dem Wettbewerb regelmäßig Knoblauch gefüttert bekommen. Eins ist sicher: Die Verlierer büßen nicht auf dem Holzkohlegrill mit ihrem Leben.

In der Frammersbacher Anlage sind derzeit acht Hühnerhalter aktiv. „Aktuell haben wir ein 400 Quadratmeter großes Areal mit Hütte samt Auslauf frei“, wirbt Rüppel für das Wellerstal. Mittlerweile halten wieder jüngere Familien Hühner, weil sie Wert legen auf eigene Eier zum Verzehr. Die Neuzüchter haben sich für Sperberhühner und Sulmtaler, eine alte Nutztierrasse aus Österreich entschieden, für die auch Spitzenkoch Johann Lafer wirbt.

Ortswechsel

Theo Ehehalt (52) in Duttenbrunn ist Zuchtwart für Geflügel in Duttenbrunn und Veitshöchheim, hält gold-schwarz gesäumte Zwerg-Wyandotten und deutsche Wyandotten. Sohn Matthias (28) ist Vorsitzender im örtlichen Kleintierzuchtverein und hat ebenfalls Wyandotten, aber goldblau gesäumt. Der dritte im Bunde der hühnerbegeisterten Familie ist Johannes (29), der wiederum deutsche Lachshühner, Zwerg-wyandotten gelb-schwarzcolumbia und Zwergwyandotten weiß-blaucolumbia sein Eigen nennt. „Mit 13 Jahren war es um mich geschehen. Das Schlüpfen der Küken und das Entstehen von Leben aus dem Ei faszinierten mich“, erzählt Theo Ehehalt. Seine Begeisterung hält bis heute an.

Im Frühjahr viele Küken

Alle Eier der Rassehühner werden für die eigene Nachzucht verwendet. 200 bis 250 Küken haben die Ehehalts dann schon mal im Frühjahr. Teilweise ziehen sie sie selbst groß, andere veräußern sie beim Kleintiermarkt in Hofheim, wo es jeden Sonntag im Frühjahr einen Markt gibt. Die flauschigen Küken werden ab dem Alter von vier Wochen verkauft. Nach welchen Kriterien? „Wenn die Zeichnung nicht passt oder es eine grobe Fehlfarbe gibt“, erklärt der Fachmann Ehehalt. Ein Laie würde den Unterschied im Federkleid oder die falsche Farbe am Saum mit Sicherheit nicht erkennen. Aber er als Zuchtwart schaut eben ganz genau hin.

In seiner Haltung gibt es verschiedene Hühnerhäuser, abgeteilt nach den Rassen. Die Zwerghühner sitzen in Volieren. Bei den Hennen sei immer nur ein Hahn. Jedes gelegte Ei wird genau beschriftet, auch ein Zuchtbuch wird geführt. Ordnung muss sein im Hühnerhaus, deshalb dürfen die Rassen auch nicht durcheinander laufen.

Sowohl Theo Ehehalt als auch Dieter Rüppel beschäftigen sich täglich etwa eine Stunde mit den Hühnern. Am Wochenende werden es schon mal drei bis vier Stunden. Was macht die Hühner glücklich? „Eine artgerechte Haltung! Sie wollen picken und graben, brauchen einen strukturierten Auslauf, etwa eine Wiese. Steinchen benötigen sie für den Magen zum Zermahlen der Körnernahrung. Dann gebe ich noch Muschelgrit dazu, weil die Tiere Kalzium brauchen. Die Hühner sind Allesfresser, deshalb freuen sie sich auch mal über einen Wurm“, erklärt der Experte. Küchenabfälle gibt es keine bei Ehehalt, sondern er und seine Söhne machen ihr Getreidefutter selbst – eine Mischung aus Weizen, Gerste, Mais, Erbsen und Raps.

Erlebnisbauer weiß Bescheid

Auf viele Fragen, besonders von Kindern, hat der Duttenbrunner eine Antwort parat. Denn er ist zertifizierter Erlebnisbauer und führt Grund- und Förderschüler durch seinen Betrieb. Einen Vormittag lang gibt es dann praktischen Unterricht auf dem Bauernhof. Das ist natürlich viel spannender als im Klassenzimmer. Die Kinder dürfen Küken streicheln, mit der Schierlampe Eier durchleuchten und so bereits ab einem frühen Stadium feststellen, ob ein Ei befruchtet ist oder wie weit der Entwicklungsstand des Kükens ist. Sie erfahren, dass nicht jedes Huhn auf einem Ei sitzt, sondern es auch die Kunstbrut gibt: im Brutschrank bei gleichbleibender Temperatur von 37,8 Grad schlüpfen auch dort die Küken nach 21 Tagen. „Sind die süß!“, hört Ehehalt häufig.

Warum gibt es weiße, braune oder gar grüne Eier? Das ist genetisch bedingt. Ein bisschen hat es auch mit der Legeleistung und Fütterung zu tun. An der Farbe der „Ohrscheibe“, also des Hautlappens unter dem Ohr, erkennt man meistens, welche Farbe das Ei haben wird: Sind diese bei reinrassigen Hühnern weiß, so sind dies meist auch ihre Eier. Dass grüne Eier angeblich cholesterinärmer sind, halten der Frammersbacher und der Duttenbrunner Fachmann eher für einen guten Werbegag.

Mitmachen und gewinnen!

Preisfrage: Nach wie vielen Tagen schlüpft aus einem Ei ein Küken?
Zu gewinnen gibt es eine zweistündige Führung mit Erlebnisbauer Theo Ehehalt auf seinem Hof in Duttenbrunn am 27.04.2019.
Die richtige Antwort senden Sie an: gewinnspiel@raiba-msp.de, per Telefon unter 09352 858-0 oder per Postkarte (ausreichend frankiert) an die Raiffeisenbank Main-Spessart eG, Rechtenbacher Str. 11, 97816 Lohr a. Main. Bitte geben Sie Ihre vollständige Adresse und das Stichwort „Hühner“ an.
Einsendeschluss am 12.04.2019, Teilnahmebedingungen siehe Impressum

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