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MEN AT WORK – Ein Job für echte Kerle

Später Nachmittag in Partenstein. Es fällt leichter Nieselregen, als der 40-Tonner bei einem Anwesen in einer Seitenstraße hält. Vor dem Haus ein Berg von Gegenständen kunterbunt durcheinander: Schranktüre, Weidenkorb, Koffer, gerollte Teppichböden, Tisch und sogar ein recht gut erhaltenes Sofa.

Steht etwa ein Umzug an?

Nein, die Männer vom Sperrmüll sind da. Was da vor dem Haus liegt, soll einfach weg. Ricardo und Dominik sehen sich den Haufen skeptisch an. Wenn man hier einen Regalboden wegnimmt, rutscht der
lose Kram nach und macht das Ganze nicht leichter. „Je vernünftiger die Leute aufstellen, desto besser kommen wir voran. Wir sind schneller weg und es bleibt nicht so viel liegen“, sagt der 55-jährige Fahrer Ricardo. Wenigstens wurden hier die vorgeschriebenen Fraktionen gut eingehalten. Neben unserem sind weitere vier Teams im Landkreis unterwegs, die jeweils nur Metall, Elektro- oder Elektronikschrott
und Großgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen abholen. „Wir sind heute nur für brennbaren Sperrmüll zuständig, alles andere müssen wir stehen lassen“, erklärt Dominik. Was tun mit dem Aquariumglas? Was soll‘s, stehen lassen wäre blöd. Also landet es im riesigen, ewig hungrigen Maul ihres Trucks. Es ist kaum zu glauben, was da alles in den gut fünf Quadratmeter großen Schlund hineinpasst: Möbel, Teppiche, ein ganzes Esszimmer und unfassbar viele Matratzen. Fast möchte man glauben, ganz Partenstein habe eine Sammelbestellung beim Matratzendiskounter aufgegeben. Scheinbar gierig wird alles verschlungen, wenn der Rachen voll ist, drückt einer der Männer auf einen Knopf. Der „gewaltige Kiefer“ mit einer Presskraft von rund 40 Tonnen drückt, quetscht und zerrt alles ins Innere. 26 Tonnen oder 24 Kubikmeter passen in den Wanst des Ungetüms.

Zeitreise durch den Müll

„Natürlich ist das meiste, das die Leute wegwerfen alt und kaputt, manchmal auch wirklich unappetitlich versifft, aber vieles ist noch fast neuwertig“, weiß der 35-jährige Dominik. „Neulich waren
eine bestens erhaltene Küchenzeile und ein kaum abgewohntes Esszimmer mit dabei. Was mal teuer war, ist jetzt Müll!“ Da stehen wahrscheinlich oftmals unbekannte Lebensgeschichten dahinter: Trennungen, berufliche Veränderungen, Todesfälle. Doch Sperrmüll vermittelt auch so etwas wie eine Zeitreise, er zeigt die Veränderung des Einrichtungsgeschmacks. Ein Schlafzimmer aus der Gründerzeit der Bundesrepublik. Dreiteilige Matratzen mit Rosshaarfüllung, Vollholz statt Pressplatte, sorgfältig poliertes Nussbaumfurnier mit kunstvollen Applikationen, Türbeschläge und Schlüssellöcher in blankem Messing erzählen ein klein wenig vom „Lifestyle“ der Großeltern. Menschen, die zur Hochzeit ein gemeinsames Möbel angeschafft haben und dann nicht nur dem Partner ein Leben lang treu geblieben sind. Freilich gibt es hier kaum Alternativen. Selbst gut Erhaltenes wird auf dem Second-Hand-Markt kaum nachgefragt und auch die drei „Intakt-Kaufhäuser“ in Gemünden, Lohr und Marktheidenfeld können nicht alles aufnehmen und weitervermitteln. Außerdem macht der Sperrmüll weniger Aufwand. Vieles hier ist harte Arbeit und in der Tat nur etwas für ganze Kerle, denn der Sperrmüll ist nicht immer gut gepflegt, sodass nach dem Tagwerk trotz der festen Handschuhe und robuster Kleidung eine Dusche unerlässlich ist. Doch Dominik schätzt die Arbeit an der frischen Luft und die relative Unabhängigkeit. Seit mehr als einem Jahr ist er mit seinem Kollegen Rico ein eingespieltes Team, das meist an drei Tagen in der Woche mit dem großen Brummi im Landkreis unterwegs ist. Los geht‘s gegen sechs Uhr morgens vom Betriebsgelände in Gemünden, bei Fahrten in entlegene Gebiete des Landkreises kann es auch schon mal eine halbe Stunde früher sein.

Muskeln und Fingerspitzengefühl

Sperrmüllfahrer müssen nicht nur zähe und kräftige Männer sein, sie brauchen auch ein hohes Maß an Sozialkompetenz. Was da vor den Häusern liegt, war schließlich mal ein Teil des Lebens der Menschen hinter den Mauern. Wie fühlt man sich, wenn Omas Ohrensessel lieblos in den Laster fliegt? Viele Bürger wissen die Arbeit der fleißigen Helfer zu schätzen, sie helfen beim Bereitstellen – gelegentlich gibt‘s auch mal ein Trinkgeld. Aber da gibt es auch die Meckerer, die sich über den Lärm beschweren, über übrig gebliebene Splitter oder einfach sauer sind, weil der sorgfältig versteckte Restmüllbeutel liegen geblieben ist. Gute Nerven und ein sicheres Händchen am Steuer braucht vor allem der Fahrer, wenn er sich filigran mit seinem schweren Laster durch die oftmals engen und verwinkelten Gässchen der Orte tasten muss. Gelegentlich ist die Fahrbahn zusätzlich durch „kreative Parker“ blockiert. Da muss man auch schon mit den Leuten reden können.
Vereinzelt machen die „Men at Work“ auch besondere, witzige und sogar skurrile Funde im Sperrmüll. Da waren gleich zwei noch brauchbare Gitarren dabei, ein in Plastik eingepackter Kuhkopf oder ein völlig intaktes ferngesteuertes Spielzeugauto. Was den bisherigen Besitzer eines lasziven weiblichen Akts in Öl gemalt veranlasst hat, sich von dem Bild zu trennen, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben. Jedenfalls hängt es jetzt nicht mehr über seinem Bett.
Früher gab es ja zwei allgemeine Tage im Jahr, an denen die Menschen in den betreffenden Dörfern ihren Sperrmüll bereitstellen konnten. Heute aber müssen beim Landratsamt individuelle Anforderungen per Internet, telefonisch oder schriftlich aufgegeben werden. Dann erhält der Bürger einen Abholtermin. Dadurch lassen sich die Fahrten und Fraktionen leichter koordinieren. An unserem Besuchstag haben Rico und Domi nur 14 Anlaufstellen in Partenstein und zwei in Sackenbach, wobei einer ein Fehlalarm war. Die Nachmittagstour in den Spessart war die zweite des Tages, das Fahrzeug ist jetzt allerdings nur zu einem Viertel voll. Trotzdem geht es jetzt nach Gemünden, wo in der Nähe der Staatsstraße nach Heßdorf ein Sammellager der Entsorgungsfirma liegt. Hier in einer großen Halle ist erst einmal Endstation. Ricardo rangiert seinen LKW rückwärts in eine freie Ecke. Daraufhin hebt sich der hintere Teil und das grob zerkleinerte Ergebnis der dreistündigen Sammelfahrt wird einfach auf den Boden gespuckt. Später wird das Material in Großraumfahrzeuge gepackt und zur Müllverbrennung nach Schweinfurt gefahren. Irgendwie ein trostloses Ende von Dingen, die einmal lieb und teuer waren.

Zu schade für den Sperrmüll?

Karitative Einrichtungen können gebrauchsfähige Gegenstände für eine Weiterverwendung aufbereiten.
Mögliche Kontakte dazu sind:

  • Intakt Gemünden: 09351 603 660
  • Intakt Lohr: 09352 600 081-0
  • Intakt Marktheidenfeld: 09391 918 510-0

Kann man Sperrmüll selbst anliefern?
Die Anlieferung an der Kreismülldeponie ist möglich aber grundsätzlich gebührenpflichtig. Ausnahme: Metallschrott sowie haushaltsübliche Elektro- und Elektronikgeräte können kostenfrei abgegeben werden.

Was ist sonst noch zu beachten?
Bitte die Gegenstände sortiert bereitstellen, das heißt getrennt nach brennbarem Sperrmüll/Metallschrott/Elektro- und Elektronikgeräten. So kann der Sperrmüll problemlos, den Materialien entsprechend von den verschiedenen Fahrzeugen erfasst werden. Der Sperrmüll muss am Abfuhrtag um 6.00 Uhr bereitgestellt sein.

Haben Sie noch Fragen?
Die einzelnen Fraktionen dürfen ein Volumen von zehn Kubikmetern nicht überschreiten. Die Mitarbeiter sind angehalten, die überschüssigen Gegenstände stehen zu lassen.
Abfallberatung im Landratsamt: abfallberatung@lramsp.de
Herr Braasch:
Tel.: 09353 793 123-6
Fax: 09353 793 851-236
Herr Baer:
Tel.: 09353 793 126-6
Fax: 09353 793 851-266
www.main-spessart.de

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