Staatsschulden und Börsenturbulenzen – Fragen und Antworten

Angesichts der anhaltenden Staatsschuldenkrise in einigen europäischen Ländern stellen Sie sich vielleicht grundsätzliche Fragen. Wie stabil ist der Euro? Ändert sich etwas im Umgang mit den Finanzen? Wie sicher ist mein Geld? Mit dieser Kurzinformation erhalten Sie Antworten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) auf derzeit in der Öffentlichkeit zu diesem Themenspektrum diskutierte allgemeine Fragen.

Was ist passiert? Ist mein Geld nicht mehr sicher?

In den vergangenen Jahren waren die Märkte durch starke Kursbewegungen geprägt. Dies wurde unter anderem durch die Schuldenkrise einiger europäischer Staaten und die Herunterstufung der Ratingnote verschiedener Euroländer ausgelöst. Seit dem Herbst 2012 hat sich die europäische Staatsschuldenkrise wieder etwas beruhigt. Durch die Diskussion um das Rettungspaket für Zypern sind aber bei vielen Bankkunden neue Unsicherheiten entstanden. Viele Sparer und Anleger fragen sich, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Sicherheit hiesiger Bankeinlagen sowie auf ihre Anlageentscheidungen haben.

Deutsche Sparer brauchen sich keine Sorgen um ihre Spareinlagen zu machen. In Deutschland stehen die nationalen Sicherungssysteme, darunter auch die bewährte Institutssicherung der Volksbanken und Raiffeisenbanken, unverändert für die ihnen anvertrauten Einlagen ein. Die Bundeskanzlerin hatte darüber hinaus auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 eine unbegrenzte Garantie auf alle Spareinlagen bei deutschen Kreditinstituten abgegeben. Regierungssprecher Seibert hat diese Patronatserklärung kürzlich bestätigt.

Wie ist es zu der Krise in Zypern gekommen?

Die Schwierigkeiten Zyperns stellen in Europa eine Sondersituation dar, die nicht mit der Situation in Deutschland vergleichbar ist. Ursache der Probleme ist ein im Vergleich zur Wirtschaftsleistung stark überdimensioniertes Bankensystem, das nicht über ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell verfügt. Die beiden größten zyprischen Banken sind aufgrund  hoher Bestände an griechischen Staatsanleihen und dem dort im vergangenen Jahr durchgeführten Schuldenschnitt in eine Schieflage geraten. Zypern benötigt zur Bewältigung seiner Finanz- und Wirtschaftskrise ausländische Unterstützung, die die europäischen Regierungen zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) angeboten haben. Dabei erwarten die hilfeleistenden Staaten sowie der IWF auch einen eigenen Finanzbeitrag Zyperns.

Die Einigung der Euro-Finanzminister mit dem zyprischen Staatspräsidenten in der Nacht vom 24./25. März 2013 wendet die drohende Staatsinsolvenz Zyperns ab und ist zu begrüßen. Zypern stabilisiert durch die Abwicklung seines zweitgrößten Kreditinstituts Laiki Bank und die Restrukturierung seiner größten Bank Bank of Cyprus seinen Finanzsektor. Damit begrenzt Zypern seinen Finanzsektor auf ein langfristig vertretbares Maß. Die Vereinbarungen müssen jetzt schnell umgesetzt und durch die Troika begleitet werden. Die Lösung von Sonntagnacht stellt sicher, dass zyprische Sparereinlagen bis zu einer Grenze von 100.000 Euro nicht angetastet werden. Dies entspricht europäischen Richtlinien und ist ein wichtiges Signal an die Kleinsparer.

Welche Auswirkungen hat die Krise in Zypern auf Deutschland?

Mit dem am Montag, dem 25. März, bekanntgegebenen Rettungspaket für Zypern dürfte wieder mehr Ruhe an den Finanzmärkten einkehren. Das Anpassungsprogramm legt die Grundlagen für eine Sanierung der Staatsfinanzen und eine Stabilisierung des Finanzsektors in Zypern. Wenn die Maßnahmen von der Regierung Zyperns entschlossen umgesetzt werden, dürfte das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in eine baldige Stabilisierung des Bankwesens bald zurückkehren.

Eine schnelle und glaubwürdige Umsetzung des Rettungsprogramms leistet auch einen wichtigen Beitrag, Kapitalverlagerungen von Zypern ins Ausland zu begrenzen und eine schnelle Aufhebung der von Zypern beschlossenen Kapitalverkehrsbeschränkungen zu erreichen.

Die Auswirkungen der Krise in Zypern auf Deutschland und auch mögliche Kapitalzuflüsse aus Zypern dürften aller Voraussicht nach sehr begrenzt bleiben. Denn während das Bankensystem aus der Perspektive Zyperns übermäßig groß ist, ist es aus europäischer Perspektive sehr überschaubar. Zypern gehört zu den kleinsten Mitgliedsstaaten Europas. Auch ist sein Bankensystem von einer vergleichsweise geringen Größe. Das Volumen der Bankbilanzen hat den Umfang von nur 0,4 Prozent der Banken des Euroraums insgesamt.

Zur Verunsicherung der Sparer in Deutschland hat besonders beigetragen, dass die Regierung Zyperns zwar eine Sicherung der Bankeinlagen bis 100.000 Euro zugesichert hat, in der aktuellen Situation aber offenbar nicht in der Lage gewesen wäre, diese Zusage ohne ausländische Hilfe auch in vollem Umfang einzuhalten. Daher ist die Einführung europaweiter Standards wichtig, die die Einlagensicherungen in anderen Ländern ähnlich wie in Deutschland stärken und belastbar machen. Dies würde durch die Umsetzung zwischen Parlament und europäischem Rat weitgehend abgestimmten europäischen Einlagensicherungsrichtlinie erreicht werden können.

Lassen sie sich bei Anlageentscheidungen beraten!

Aus Sicht der genossenschaftlichen FinanzGruppe sollten Anlageentscheidungen auch in Zeiten stärkerer Kursbewegungen an den Finanzmärkten wohlüberlegt getroffen werden. Dazu ist es sehr ratsam, ein umfängliches Beratungsgespräch bei einer Genossenschaftsbank zu führen, um wichtige Anlageentscheidungen auf möglichst informierter Grundlage treffen zu können. Wichtig ist es, auch bei schwankenden Kursen grundlegende Anlageprinzipien zu beachten. Hierzu zählt insbesondere auch eine ausgewogene, breit gestreute Geldanlage anstelle einer Konzentration auf einzelne Werte.

Soll ich jetzt meine Wertpapiere verkaufen?

Die weitere Börsenentwicklung kann niemand voraussehen. Aber in Panik zu verkaufen, ist selten ein guter Rat. Erfahrungsgemäß beruhigen sich die Börsen auch nach einiger Zeit. Angst ist generell ein schlechter Ratgeber für Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Anlageentscheidungen sollten mit Bedacht getroffen werden. Sinnvoll ist es auch, ein Beratungsgespräch mit seinem Bankberater oder seiner Bankberaterin hierüber zu führen.

Soll ich mein Geld in Gold anlegen?

Die Suche nach sicheren Anlagen und die damit verbundene starke Nachfrage nach Gold hat in den vergangenen Jahren zu einem rasanten Anstieg des Goldkurses geführt. Insgesamt

ist jedoch eine sehr schwankungsintensive Entwicklung des Goldkurses zu verzeichnen. Nach dem Spitzenwert im August/September 2011 von rund 1.900 US-Dollar gab der Goldpreis je Unze immer wieder mal nach und lag mehrmals rund 20 Prozent unter diesem Wert. Generell gilt, dass auch Investitionen in Gold mit erheblichen Risiken behaftet sind und nicht als sichere Anlage – im Sinne einer Sicherheit des eingesetzten Kapitals wie es bei Bankeinlagen der Fall ist, die einer wirksamen Einlagensicherung unterstellt sind – zu werten sind. Im Übrigen erwirtschaftet Gold auch keine Zinsen, so dass es eher als Anlageform zur Ergänzung eines bestehenden Anlagevermögens einzustufen ist. Die Notierung in US-Dollar führt zudem zu einem zusätzlichen Währungsrisiko.

Soll ich jetzt in Schweizer Franken oder norwegische Kronen investieren?

Investitionen in Fremdwährungen sind grundsätzlich mit einem zusätzlichen Risiko, dem Währungsrisiko, verbunden. Ebenso wie der Goldpreis sind auch die Wechselkurse nicht frei von spekulationsbedingten Entwicklungen. So sind neben weiteren Kurssteigerungen auch Korrekturbewegungen der Währungen nicht auszuschließen.

Ist meine Altersvorsorge gesichert?

Die private Altersvorsorge sollte nie auf einem Wert alleine beruhen, sondern auf ein breit gestreutes Anlagespektrum aufbauen. Haben Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen, so gilt ohnehin per Gesetz, dass hier die eingezahlten Beträge zum Beginn der Auszahlungsphase garantiert sind.

Wie sicher ist das Geld, das ich bei der Genossenschaftsbank angelegt habe?

Kunden, die ihr Geld bei Genossenschaftsbanken wie etwa Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken oder Kirchenbanken angelegt haben, können seit über 75 Jahren auf eine effiziente Sicherungseinrichtung vertrauen. Einlagen und Inhaberschuldverschreibungen der Kunden schützt das erste und älteste Bankensicherungssystem Deutschlands vollumfänglich und ohne betragliche Begrenzung. Damit geht der Schutz der Sicherungseinrichtung des BVR weit über den gesetzlichen Schutzumfang von maximal 100.000 Euro hinaus.

Geschützt sind Spareinlagen, Sparbücher, Sparbriefe, Termineinlagen, Festgelder und Sichteinlagen auf Girokonten von Privatpersonen und Unternehmen. Auch hauseigene Inhaberschuldverschreibungen der Genossenschaftsbanken fallen in den Schutzumfang der Sicherungseinrichtung. Da auch die meisten Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind, schützt die Sicherungseinrichtung des BVR auch die Anleger solcher Papiere vor dem Ausfall des Emittenten, wenn dieser Mitglied der Sicherungseinrichtung des BVR ist.

Über viele Jahrzehnte hindurch hat noch nie ein Kunde einer Volksbank oder Raiffeisenbank oder einer anderen der Sicherungseinrichtung angeschlossenen Bank seine Einlagen verloren. Noch nie musste ein Anleger entschädigt werden. Nie ging eine Genossenschaftsbank in die Insolvenz. Dafür sorgt der besondere Institutsschutz, den die Sicherungseinrichtung des BVR seit 1934 praktiziert. Gemeinsam bilden alle deutschen Genossenschaftsbanken ein Sicherheitsnetz, in dem jeder für jeden einsteht. Das Entstehen einer Insolvenz ist so von vornherein ausgeschlossen, Gelder der Kunden sind stets in voller Höhe abgesichert. Die erfolgreiche Arbeit der Sicherungseinrichtung des BVR liegt auch in ihrer effizienten Präventionsarbeit begründet.

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind ein stabiler Sektor des deutschen Bankensystems. Die genossenschaftliche FinanzGruppe verfügt über eine robuste Einlagenseite und ist nicht auf eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt angewiesen. Ihr Geschäftsmodell ist konservativ und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Herausgeber: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken · BVR · Geschäftspolitik/Kommunikation · Schellingstraße 4 · 10785 Berlin · www.bvr.de

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