Kaum noch Zinsen – Wie man jetzt sein Geld anlegen sollte

Fallende Zinsen

Die Zinsen sind historisch niedrig, der Aktienmarkt hat ein Allzeithoch erklommen. Wohin mit den Ersparnissen? Was tun, um ohne Einbußen durch die Inflation zu kommen?

Eigentlich müsste die Botschaft inzwischen angekommen sein: Sein Geld lediglich auf das Sparbuch oder ein Tagesgeldkonto zu packen, ist beim derzeitigen Zinsumfeld keine wirkliche Anlagestrategie. Mit der Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf nur noch 0,05 Prozent verschärft sich ein Problem, das Sparer bereits seit Jahren drückt: Es gibt praktisch keine Möglichkeit mehr, mit sicheren Geldanlagen auch nach Abzug der Inflationsrate noch das Vermögen zu erhalten oder gar zu mehren. Gleichzeitig erklimmt der Deutsche Aktienindex (DAX), beflügelt durch das billige Zentralbankgeld, nahezu täglich ein neues Allzeithoch.

PROFESSIONELLE BERATUNG
Glaubt man aktuellen Umfragen, dann ignoriert jeder Zweite die geringen Renditen für Zinsanlagen und hat sein Anlageverhalten nicht verändert. Als Grund wird „eine Mischung aus Unsicherheit, Unwissenheit und Desinteresse“ genannt. Doch genau jetzt ist es umso wichtiger, sich professionell und individuell beraten zu lassen.„Sparen ist natürlich auch in Zeiten niedriger Zinsen sehr wichtig“, sagt Andreas Fella, Leiter der Vermögensbetreuung in der Raiffeisenbank Main-Spessart. „Wer alles verkonsumiert, hat nichts mehr, wenn die Zinsen wieder steigen, oder für Unvorhergesehenes“, so Fella weiter.

AUF DIE STREUUNG KOMMT ES AN
Grundsätzlich gilt: Niemand sollte mehr Risiken eingehen als er kann oder will. Das gilt selbstverständlich sowohl für Zeiten hoher als auch für Zeiten niedriger Zinsen. Wenn ein Anleger aber eine höhere als die derzeitige sichere Verzinsung wünscht, dann bleibt ihm nichts anderes übrig als auch etwas riskantere Anlagen beizumischen. Deshalb gilt die Empfehlung, das Kapital möglichst breit zu streuen. „Dies treffe heute mehr denn je zu“, ergänzt Andreas Fella: „Dabei muss man jedoch für Teile des Anlagevermögens auch eine Negativrendite in Kauf nehmen – vor allem für den ‚Notgroschen‘, der sicher geparkt werden muss.“

Aber welche Anlageformen bieten sich für eine sinnvolle Vermögensstreuung an?

ANLEIHEN
Eine Bundesanleihe gilt vielen Sparern als der Inbegriff der sicheren Geldanlage, aber derzeit kommt man damit nur noch auf Renditen in der Größenordnung von unter einem halben Prozent. Eine Alternative können Unternehmensanleihen großer Konzerne wie Linde, Siemens oder VW sein. Bei fünf bis sechs Jahren Laufzeit und „überschaubarem Risiko“ kann man bei solchen Papieren mit immerhin rund 1,5 Prozent Rendite rechnen. „Man sollte nicht unüberlegt nach der höchsten Rendite suchen. Am besten man investiert in diese Anlageklasse über einen Investmentfonds aufgrund der besseren Risikostreuung“, sagt Fella weiter. „Wenn jemand fünf Prozent Zinsen zahlt, hat das seinen Grund.“

AKTIEN UND FONDS
Langfristig gesehen bieten Aktien und Aktienfonds eine gute Chance, das Vermögen zu mehren. Angesichts des historischen Kurshochs erscheint es aber sinnvoll, in monatlichen Raten anzulegen, um auch von einem eventuell wieder niedrigeren Kursniveau zu profitieren.

Auch Mischfonds mit Risikokontrolle sind derzeit eine gut geeignete Möglichkeit, an den Entwicklungen der Märkte teilzunehmen. Mischfonds investieren bei steigenden Börsenkursen überwiegend in Aktien, in einer Baisse hingegen größtenteils in Anleihen. Eine bei unseren Mitgliedern und Kunden sehr beliebte Produktvariante ist hierbei unser regional bekannter Dachfonds VR Mainfranken Select Union.

Das Hoch an den internationalen Aktienmärkten sollte einen nicht verleiten, blind in Aktien zu investieren. Wichtig ist bei Aktien vor allem der Anlagehorizont. Wenigstens fünf Jahre sollten Anleger auf das investierte Geld verzichten können. Denn so können sie schwache Kursphasen aussitzen. Es gibt ja viele Börsenweisheiten. Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich in solchen Sprüchen? Ein Beispiel: „Lege nie alle Eier in einen Korb“. Diese Regel zählt zu den bekanntesten. Die Idee dahinter: Nicht nur in eine Anlageform investieren, sondern das Geld verteilen. Experten sind sich einig, dass diese Regel stimmt und verweisen darauf, dass dies auch wissenschaftlich nachgewiesen ist. „Streuung minimiert das Risiko.“ Aus einem einfachen Grund: Wer sein Geld über mehrere Anlageklassen verteilt, muss nicht um sein gesamtes Vermögen fürchten, wenn eine Anlage ins Minus rutscht.

IMMOBILIEN
Bei den historisch niedrigen Hypothekenzinsen ist die Finanzierung einer Immobilie derzeit sehr günstig. Immobilien sind leichter zu verstehen als andere Anlageformen, denn hinter jeder Immobilie steckt eine physische Substanz. Die ordentliche Investition in eine Immobilie bietet Einkommen aus zwei Quellen an: Einkommen aufgrund der Wertsteigerung sowie regelmäßiges Einkommen aus Mieterträgen. Grundsätzlich lohnt es sich, in eine Immobilie einzusteigen, wenn die Mieterträge die mit der Immobilie verbundenen Kosten (und Risiken) übersteigen. Kleinanleger sollten Immobilien eher dann in Betracht ziehen, wenn sie diese auch selbst nutzen möchten. Ein Immobilienkauf ist daher eine „sehr persönliche Entscheidung“, die gut abgewogen sein sollte. Dabei empfehlen wir beispielsweise auch die Frage zu prüfen, ob das angepeilte Haus oder die Wohnung altersgerecht ist. Denn eine selbst genutzte Immobilie ist der einzige Bestandteil der Altersvorsorge, den man sofort genießen kann.

GOLD
Immer wieder stellt sich die Frage nach Gold als Anlageform. Das Edelmetall ist „allenfalls als Beimischung von bis zu fünf Prozent in einem umfangreicheren Anlageportfolio geeignet“, rät Andreas Filippi, Wertpapierspezialist der Raiffeisenbank. Die Preisentwicklung der vergangenen fünf Jahre habe gezeigt, dass für den Goldpreis ein erhebliches spekulatives Moment eine Rolle spielt. Wenn man Gold kaufen will, sollte man das am besten in Form von Barren oder Münzen tun, diese „ins Bankschließfach oder in den Tresor zu Hause legen und nicht täglich die Kurse verfolgen“, so Filippi weiter. Gold ist eine „Versicherung für einen Fall, der hoffentlich niemals eintritt“ – wie etwa einen Währungszusammenbruch.

Das Fazit lautet: Anleger müssen sich noch eine Weile gedulden, um mit Sparprodukten oder sicheren Anleihen wieder Rendite zu erwirtschaften. Wir empfehlen aber, dass unsere Mitglieder und Kunden ihre Strategie überprüfen und sich dabei professionell beraten und begleiten lassen.

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